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Vertrieb & Auftragsmanagement8 Min. Lesezeit

Jede Bestellung, die nach 16 Uhr eingeht, ist ein Risiko. Muss sie nicht sein.

Technisches Großhandelslager mit Bestellterminal

Im technischen Großhandel entscheidet die Geschwindigkeit der Auftragsbestätigung darüber, ob der nächste Auftrag bei Ihnen oder beim Wettbewerber landet. Der Installateur, der morgens auf der Baustelle steht und dringend Material braucht, wartet nicht bis zum nächsten Tag. Er bestellt dort, wo die Bestätigung zuerst kommt.

Die Realität in den meisten Großhandelsunternehmen sieht so aus: Bestellungen kommen per E-Mail, per Fax, per Telefon, manchmal per WhatsApp. Die Sachbearbeiter im Innendienst öffnen jede Bestellung einzeln, lesen Artikelnummern und Mengen heraus, prüfen gegen den Katalog, schauen Verfügbarkeiten und Konditionen nach, erstellen den Auftrag in der Warenwirtschaft und schicken eine Bestätigung.

Bei 200-1.000 Bestellungen pro Tag, verteilt auf 8-20 Mitarbeiter, kostet jede einzelne Bestellung zwischen €25 und €50 an Bearbeitungszeit. Hochgerechnet auf ein Jahr sind das €500.000 bis über eine Million Euro an Personalkosten - allein für die Auftragserfassung.

Jeder Vertriebsleiter im Großhandel kennt diese Rechnung. Was sich verändert hat, ist die Fähigkeit, diesen Zustand aufrechtzuerhalten.

Drei Probleme, die gleichzeitig zuschlagen

Erfahrung geht in Rente

Im Innendienst eines technischen Großhandels sind es die Mitarbeiter mit 15-20 Jahren Erfahrung, die den Laden zusammenhalten. Sie kennen die Konditionen der wichtigsten Kunden auswendig, wissen, welcher Artikel unter welcher alten Bestellnummer gemeint ist, und können Lieferzeiten einschätzen, ohne ins System zu schauen.

Diese Leute gehen in Rente und sind nicht ersetzbar. Ein neuer Sachbearbeiter braucht 3-6 Monate Einarbeitung, bis er Routinebestellungen eigenständig bearbeiten kann. Und selbst dann fehlt ihm das implizite Wissen, das jahrelange Erfahrung aufgebaut hat.

Laut DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 sieht fast jedes vierte Industrieunternehmen durch das altersbedingte Ausscheiden älterer Mitarbeiter betriebsspezifisches Wissen in Gefahr. Im Großhandel, wo Konditions- und Sortimentswissen stärker an einzelne Personen gebunden ist, dürfte die Quote höher liegen.

Fehler werden teurer

Unter Zeitdruck passieren Fehler: falsche Artikelnummern, verwechselte Mengen, nicht berücksichtigte Staffelrabatte, übersehene Sonderkonditionen. Die Fehlerquote bei manueller Auftragserfassung liegt erfahrungsgemäß bei 2-4 Prozent. Das klingt niedrig. Aber bei 500 Bestellungen pro Tag sind das 10-20 fehlerhafte Aufträge - jeden Tag. Der tatsächliche Schaden pro Fehler liegt häufig beim Drei- bis Fünffachen der ursprünglichen Bearbeitungskosten.

Umsatz verschwindet unsichtbar

Eine Bestellung, die nachmittags eingeht und erst am nächsten Morgen erfasst wird, ist im technischen Großhandel oft eine verlorene Bestellung. Der Handwerker oder Industriekunde, der dringend Material braucht, ruft beim Wettbewerber an, wenn die Bestätigung nicht innerhalb weniger Stunden kommt.

Wie viel Umsatz dadurch verloren geht, weiß kein Großhändler genau - weil die Aufträge, die zum Wettbewerber wandern, nie im eigenen System landen. Sie werden nie erfasst, also können sie nicht gemessen werden. Das macht diesen Verlust nicht weniger real, nur unsichtbar.

Warum der Webshop nur die halbe Lösung ist

Viele Großhändler investieren in B2B-Webshops. Sinnvoll, und die Nutzung steigt. Aber die Realität sieht so aus: Die größten Kunden, die Handwerksbetriebe mit langjähriger Geschäftsbeziehung, bestellen weiterhin so, wie sie es seit 20 Jahren tun:

  • Eine E-Mail mit einer Excel-Liste
  • Ein Anruf mit einer diktierten Bestellung
  • Ein Fax mit dem Standardformular

Diese Kunden zum Webshop zu zwingen, funktioniert nicht. Es führt zu Unzufriedenheit und im schlimmsten Fall dazu, dass der Kunde zum Wettbewerber wechselt, der seine Bestellungen noch so annimmt, wie er es gewohnt ist.

Der Webshop hilft bei den einfachen Bestellungen. Die aufwendigen - über verschiedene Kanäle, in unterschiedlichen Formaten, mit kundenspezifischen Konditionen - bleiben am Innendienst hängen. Das Problem wird weniger sichtbar, aber nicht kleiner.

Was KI im Innendienst konkret verändern kann

Der entscheidende Unterschied zu bisherigen Automatisierungsversuchen: Moderne KI-Systeme können unstrukturierte Bestellungen verstehen. Eine E-Mail, in der ein Kunde schreibt "Bitte 50 Stück vom üblichen Rohr, gleiche Abmessung wie letztes Mal, Lieferung Mittwoch", ist für ein regelbasiertes System unverarbeitbar. Für ein KI-System, das den Kunden, seine Bestellhistorie und den Produktkatalog kennt, ist das ein lösbares Problem.

Automatische Bestellerfassung

Eine Bestellung kommt per E-Mail ein. Das System liest die Nachricht, erkennt Artikelnummern (auch alte oder kundeneigene Bezeichnungen), Mengen und Lieferwünsche. Es gleicht gegen den aktuellen Katalog ab, prüft Verfügbarkeit, wendet kundenspezifische Konditionen an, berücksichtigt Staffelrabatte und Mindestbestellmengen und erstellt den Auftrag in der Warenwirtschaft. Der Kunde erhält innerhalb von Minuten eine Auftragsbestätigung. Nicht nach Stunden. Nicht am nächsten Tag. In Minuten.

Konditionenmanagement

Im technischen Großhandel hat fast jeder größere Kunde individuelle Preise, Rabattstrukturen und Lieferbedingungen. Diese Konditionen leben heute meistens in den Köpfen der erfahrenen Innendienst-Mitarbeiter, bestenfalls in einer Excel-Tabelle. Ein KI-System bildet alle Konditionen systematisch ab und wendet sie automatisch an. Kein falscher Preis, keine vergessene Staffel, kein versehentlich angewendeter Standardrabatt bei einem Kunden mit Sonderkonditionen. Und wenn ein Mitarbeiter in Rente geht: Das Wissen bleibt im System.

24/7-Bestellannahme

Das System verarbeitet Bestellungen rund um die Uhr. Für einen technischen Großhändler, dessen Kunden oft frühmorgens auf der Baustelle oder in der Werkstatt bestellen, ist das ein echter Wettbewerbsvorteil. Die Bestellung, die am Sonntagabend eingeht, ist am Montagmorgen bereits kommissioniert.

Was das in Zahlen bedeutet

Ein technischer Großhändler mit €100M Umsatz und 500 Bestellungen pro Tag kann realistisch erwarten:

  • 70-80% Routinebestellungen automatisiert. Der Innendienst bearbeitet nur noch Ausnahmen: neue Kunden, Sonderanfragen, komplexe Konfigurationen, Reklamationen.
  • Kosten pro Auftrag: unter €5 statt €25-50. Bei 500 Bestellungen pro Tag ergibt das über €400.000 Einsparung pro Jahr.
  • Fehlerquote bei Routinebestellungen: nahe null. Kein Zahlendreher, kein falscher Rabatt, keine vergessene Mindestbestellmenge.
  • 24/7-Bestellannahme. Jede Bestellung wird sofort bearbeitet - der Umsatz, der bisher unsichtbar zum Wettbewerber wanderte, bleibt bei Ihnen.

Was der Innendienst danach macht

Es geht ausdrücklich nicht darum, den Innendienst abzuschaffen. Im technischen Großhandel ist der Innendienst die Schnittstelle zum Kunden. Die Mitarbeiter kennen ihre Kunden, beraten bei Produktfragen, lösen Probleme und bauen Beziehungen auf. Das ist der Teil der Arbeit, der Wert schafft.

Was wegfällt, ist der mechanische Teil: Bestellungen abtippen, Preise nachschlagen, Verfügbarkeiten prüfen, Bestätigungen versenden. Das sind Aufgaben, die den Großteil des Tages auffressen, aber keinen Innendienst-Mitarbeiter fordern.

Nach der Automatisierung wird der Innendienst vom Auftragserfasser zum Kundenberater. Das ist nicht nur operativ sinnvoll - es macht die Stellen auch attraktiver für neue Mitarbeiter, die sich nicht auf eine Karriere als Bestellerfasser bewerben.

Warum es einen Betreiber braucht, nicht nur eine Software

Viele Großhändler haben schon Automatisierungsprojekte gestartet und wieder abgebrochen. Der Grund ist meistens derselbe: Die Software konnte die Bestellungen in einem kontrollierten Test korrekt verarbeiten. Im Alltag, mit den hundert Sonderfällen, die kein Testdatensatz abbildet, lief es nicht.

Das sind keine Ausnahmen - das ist der Alltag im Großhandel:

  • Der Kunde, der seine eigene Artikelnummer verwendet, die es im Katalog gar nicht gibt
  • Die Bestellung auf Englisch von einem Lieferanten, der für einen deutschen Kunden weiterbestellt
  • Die Sammelbestellung als angehängtes PDF mit handschriftlichen Ergänzungen

Ein KI-System für den Innendienst funktioniert nur, wenn jemand es laufend an neue Situationen anpasst. Das ist der Unterschied zwischen einem Software-Tool, das installiert und sich selbst überlassen wird, und einem betriebenen System, das sich mit jedem verarbeiteten Auftrag verbessert.

Und weil jede Bestellung nachvollziehbar dokumentiert wird, entsteht über die Zeit eine Datenbasis, die es vorher nicht gab: Welche Kunden bestellen weniger als im Vorquartal? Welche Artikel werden nachgefragt, die nicht auf Lager sind? Das sind Fragen, für die heute niemand im Innendienst Zeit hat - die aber direkt umsatzrelevant sind.

Für Großhändler, die rechnen können

Die Mathematik ist einfach. Ein Innendienst mit 12 Mitarbeitern kostet bei €65.000 Vollkosten pro Person knapp €800.000 im Jahr. Davon entfallen erfahrungsgemäß 70 Prozent auf die mechanische Auftragserfassung - also rund €560.000. Ein KI-System, das 70-80 Prozent dieser Arbeit übernimmt, kostet einen Bruchteil davon.

Die schwierigere Rechnung ist die, die niemand aufmachen kann: Was kostet es, wenn der nächste erfahrene Innendienst-Mitarbeiter geht und sein Konditionenwissen mitnimmt? Was kostet es, wenn Bestellungen liegen bleiben? Was kostet der Umsatz, der zum Wettbewerber wandert, weil dessen Bestätigung schneller kommt?

Diese Kosten stehen in keiner GuV. Aber jeder Vertriebsleiter spürt sie.


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